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Zweithaarexpertin Susanne Gress über Perücken & Einfühlsamkeit

Mittwoch, 21. November 2018 20:31

Diagnose Krebs oder Alopezie: Wie sieht solch eine sensible und zeitintensive Beratung und Begleitung aus? 

Eine Krebsdiagnose genau wie Alopezie verändert die Lebensumstände eines Menschen sofort und nachhaltig. Die Krankheit fordert auch Friseure heraus - nicht nur fachtechnisch. Sie müssen auch in ihre menschliche Befähigung investieren. Susanne Gress begleitet Betroffene nicht nur als Zweithaarexpertin rund um das Thema Perücke, sondern auch mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Gesundheitswesen.

Im Interview mit Susane Gress, die sich als Expertin zum Thema Haarverlust äußert und Möglichkeiten für Frauen und Männer aufzeigt.

„Es geht mir nie um Haare – es geht mir immer um den ganzen Menschen“

Gress Friseure hat intensiv darüber nachgedacht, was der Besuch eines Perückenstudios für Menschen mit drohendem Haarausfall bedeutet. Wie wird eine sensible und zeitintensive Beratung und Begleitung möglich? Was zeichnet gute Berater für Menschen mit Haarverlust aus? In einem eigenen Perücken-Kompetenzzentrum im zweiten Stock über dem Salon begleitet Peter Gress gemeinsam mit seiner Frau Susanne die Krebspatienten, um rechtzeitig vor Chemo- und Strahlentherapie das Thema Haarersatz anzugehen. Die Zweithaar-Dienstleistung liegt ihnen am Herzen.

Susanne Gress, seit wann können sich Menschen mit Haarausfall an Sie wenden?

Ich kümmere mich bei Gress Friseure inzwischen seit fast 12 Jahren um unsere Kunden und Kundinnen, die von Haarverlust betroffen sind.

Was genau ist dabei Ihr Aufgabenschwerpunkt?

Ich versorge Chemo-Patienten und Menschen mit Alopezie – also permanentem Haarverlust – mit Haarersatz. Das sind Kunsthaar- und Echthaar-Perücken, sowie Perücken aus Mischfasern (Echt- und Kunsthaar).

Wie hat das angefangen, dass Sie sich mit diesem Thema befassen?

Triebfeder waren Krebsfälle bei langjährigen Kunden. Jahrzehntelang haben wir diese Menschen in unserem Salon betreut – da war es uns ein Anliegen, sie in Form einer Zweithaar-Dienstleistung auch weiterhin begleiten zu können.

Krebs ist ein brisantes Thema – hatten Sie da nie Berührungsängste?

Nein. Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Gesundheitswesen tätig und habe täglich Kontakt mit Patienten und diversen Krankheitsbildern. Auch in der Familie habe ich einiges an Erfahrung im Umgang mit Krebserkrankungen gesammelt. Hinzu kamen tief berührende Geschichten aus dem Leben unserer Kunden. Da wurde mir klar, dass ich in diesem Bereich helfen kann und will.

Was genau umfasst Ihre Qualifikation?

Ich bin gelernte Arzthelferin, arbeite seit mehr als 30 Jahren im Gesundheitswesen, davon mehr als 20 Jahre im Klinikbetrieb, bin Zweithaarspezialistin und habe eine zweijährige Ausbildung zur Ayurvedischen Psychologischen Beraterin – mit Zertifizierung – absolviert. Daher bringe ich Teile meines Know-hows aus der Psychologie und Lebenshilfe ebenso ein wie medizinische Grundkenntnisse und Produktkenntnisse bei der Produktberatung.

Es braucht also mehr als nur Kenntnisse zum Zweithaar. Warum ist das so?

Kunden mit einer Krebsdiagnose sind physisch oft angegriffen oder instabil, sie brauchen eine völlig andere Betreuung als im üblichen Salonalltag. Der Haarersatz ist zwar der Ausgangspunkt und das Endprodukt, tatsächlich aber geht es um einen Menschen in einer schwierigen Situation. Es ist mitunter sehr schwer, mit der Diagnose und deren Folgen umzugehen. Hier möchte ich unterstützen.

Was ist also Ihr Ansatz?

Mir ist eine ganzheitliche Beratung sehr wichtig, bei der immer der Mensch im Vordergrund steht. Dafür habe ich viel Zeit und Geduld – das erleben Patienten eher selten. Erst einmal ankommen, Vertrauen zueinander finden, intensive Gespräche führen, eine Beziehung aufbauen – das passiert in den sehr persönliche Begegnungen. Ich bin für meine Kunden ganz da.

Wie wird Ihre Dienstleistung abgerechnet?

Meine Kunden bringen ein Rezept vom behandelnden Arzt mit. Ich berechne die Zuschüsse und den Eigenanteil, kümmere mich um die Abwicklung mit der Krankenkasse und übernehme die ganze Administration rund um die Bestellung.

Was bekommen die Kunden außer der Perücke?

Bei uns gibt es das „Rundum-Sorglos-Paket“. Das Zweithaar wird ausgesucht, bestellt und dann probiert und anschließend, falls notwendig, von unseren Friseuren angepasst. Passendes Shampoo und Pflege, sowie Trockenständer liefern wir gleich mit. Ich gebe Tipps und Ratschläge – nicht nur für den Umgang mit der neuen Haarpracht, sondern insgesamt für die Zeit der Therapie.

Was zeichnet Sie für diese Tätigkeit besonders aus?

Ich kann mich gut in die Menschen hinein versetzen und gehe sensibel mit ihnen um. Das Vertrauen zueinander ist einzigartig und gibt mir Kraft, diese ganz besondere Art von Tätigkeit auszuüben. Das Feedback meiner Kunden bestärkt mich – das was ich tue, mache ich richtig so. Es geht mir auch vordergründig nicht darum, Haare zu verkaufen – sondern um die gute Begleitung des Menschen in dieser schweren Zeit.

Und wie verarbeiten Sie die oft schlimmen Schicksale?

Ich habe in meiner Ausbildung zur „Ayurvedischen Psychologischen Beraterin“ gelernt mich zu „schützen“ und wahre eine gewisse emotionale Distanz und Professionalität. Die Verbindungen bleiben oft noch lange erhalten, die Kunden schreiben mir Postkarten und Emails. Und ich bin in Gedanken oft bei diesen Menschen…

Wie alt sind Ihre Kunden und Kundinnen?

Aus allen Generationen, größtenteils sind sie zwischen 45 und 60 Jahren alt – doch manchmal sind auch ganz junge Mädchen dabei. Ihnen allen möchte ich ein neues Strahlen schenken, ein kleines Glück, wenn sie mit neuer Frisur und Glanz in den Augen den Salon verlassen.

Warum sollte jemand mit dem Thema Perücken zu Gress Friseure kommen?

Wir arbeiten sehr professionell und gehen auf jeden Kunden individuell ein. Wir nehmen uns viel Zeit um den Kunden zufrieden zu stellen, „überfahren“ ihn aber nicht. Wir haben auf einer extra Etage über dem Salon einen Beratungsraum eingerichtet. Wenn der Kunde will, kann er einen gesonderten Eingang benutzen, um nicht mit den Kunden konfrontiert zu werden, die gerade geschnitten, geföhnt und gestylt werden. In angenehmer Atmosphäre und in aller Ruhe kann man sich hier austauschen.

Die Anonymität ist also gesichert?

Ja genau, es ist ein geschützter Rahmen, in dem ich auf meine Kunden eingehe. Ich habe ein sehr breites Wissen, was den Ablauf der Chemotherapie angeht, kann rund um dieses Thema ihnen Ängste nehmen und auch Tipps geben. Ich verfüge über ein großes Netzwerk, welches auch psychologische Hilfe anbietet und die ganze Familie umsorgt werden kann. Das wichtigste Anliegen ist es uns jedoch, dass unsere Kunden sich in der Zeit, in der sie bei uns sind, wohlfühlen.

gress.de/leistungen/peruecken/

 

 

 

 

 

  • Susanne und Peter Gress



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