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„Es ist schon eine kleine Revolution.“ – Interview zum Open Hair Congress in Berlin

Dienstag, 04. Dezember 2018 19:41

Open Hair Event – Open Academy: Ein Event und eine Akademie, die offen für alle Hairstylisten sind. Hier: Vladimir Usoltsev (CEO)

Hier treffen sich die Freunde der Friseurbranche unabhängig von Alter, Erfahrungslevel und Markenzugehörigkeit, um voneinander zu lernen und wieder wirklich kreativ zu sein. Eine Bühne der Chancen für jedermann sozusagen. 

Wir haben uns am Rande des Events mit den Verantwortlichen der Open Academy International Vinokurov & Friends, kurz OAI, getroffen und wollten mehr über das Konzept des Events erfahren. Unsere Gesprächspartner: Vladimir Usoltsev (CEO), Claus Hochreuter (Division Head D/A/CH & Leader of Faculty Coloration Global Market) und Birgit Turek (Head of Education Methodologist):

 

Wir sehen hier auf dem ersten in Deutschland stattfindenden Open Hair Congress viele russische Hairstylisten. Ist es euer Ziel, mit diesem Format in Zukunft junge deutsche Friseure anzulocken? 

CH: Das Alter ist egal. Wir haben als Friseure doch gar kein Alter! Unsere Branche soll wieder fachlicher werden, das ist unser Ziel. Durch die ganzen Billigsalons hat das Thema Education sehr gelitten. Man brach das Geschäft einfach runter, so nach dem Motto „10 Folien bekommst du für 10 Euro. Willst du mehr, zahlst du (als Kunde) mehr.“ Friseure, die sich in diesen Salons ausbilden ließen, sind in anderen Salons kläglich gescheitert. Beratung spielte in den Billigsalons keine Rolle, denn dafür ist keine Zeit. Dabei braucht man als Friseur gar nicht viel Zeit für die Beratung. Man sendet und empfängt ja die ganze Zeit nonverbale Signale und erkennt als Profi, was die Kundin braucht. Die Empathie zwischen Kunde und Friseur ist ein wichtiger Pfeiler, auf den wir auch hier mit unserem Event setzen wollen. In unserer Zeit läuft so viel nicht empathisch. Die Menschen versinken in der Handywelt. Jetzt merken wir, dass sie wieder mehr Austausch, mehr Persönlichkeit wünschen. 

BT: Genau. Was wichtig ist, ist der Austausch. Friseure wieder zusammenbringen und gegenseitig stolz sein können, Friseur zu sein. Überall auf diesem Event sieht man glückliche Gesichter – ein reines Event von Friseuren für Friseure – markenunabhängig. Ich glaube, dass uns die „Community“ “ gefehlt hat, eine richtige Friseurgemeinschaft – mit einem Ziel und einer gemeinsamen Vision. 

 

Als der Open Hair Congress im September bekannt gegeben wurde, bekamen wir von allen Seiten Fragen. Wer sind die? Was ist das für ein Event? Wer darf dahin? Gebt unseren Lesern bitte eine Richtung. Was ist euer Ziel?

VU: Die Ausrichtung der OAI kann man an zwei Worten festmachen, die auch Bestandteil des Namens sind: „open“ und „friends“. Parallel zum Fachlichen organisiert die Akademie auch die Mode, die Haute Couture. Ohne Haute Couture kann Prêt-à-porter nicht leben. Deshalb kreieren wir nach dem Workshoptag (Look & Learn) eine Kollektion. Auf der Bühne machen wir live Mode. Eine Kollektion zu einem Trend, erdacht von Friseuren: SOLO-phonia. Jeder einzelne der Topfriseure kreiert einen Look für Frühjahr/Sommer 2019 in der Anwesenheit der Kollegen. 

 

Ohne Vorbereitung?

VU: Ja. Dadurch hat jeder Kreateur die Chance, seine eigene Kunst und seine eigene Empfindung darzustellen.

 

Wie bekommt Ihr das hin, dass die Kollektion dann tatsächlich aus sich ergänzenden Looks besteht und kein Sammelsurium diverser Looks unterschiedlicher Friseure wird?

VU: Die Philosophie des Trends wird vorab an die teilnehmenden Friseure kommuniziert. Wir wollen damit aber nicht die Kreativität bändigen. Wir geben nur die Richtung der Mode vor. 

CH: Während dieser Kreativprozess vonstatten geht, denkst du als Hairstylist über deine einzelnen Steps nach, die dann zu dem Look führen. Das machst du ja auch in deinem Salon. Du entwickelst den Trend in diesem Moment. Und wenn du deine Ideen dann mit deinen Kollegen teilst, während du kreativ bist, dann kannst du das aufnehmen und umsetzen. Du verarbeitest deine Interpretation, gibst deine Ideen weiter und so entsteht dann eine Kollektion. Wir haben die SOLO-phonia, den neuen Trend fürs nächste Jahr, ja bereits in Moskau und Venedig, natürlich interpretiert von den Friseuren, die dort vor Ort waren, gesehen. Wunderschön und eine Einheit. Das ist das Spannende. Man nimmt den Impuls an und macht seine Kreativität sichtbar. Eine ehrliche Kollektion. 

 

Nächstes Jahr um dieselbe Zeit ist eine Neuauflage des Open Hair Congresses hier in Berlin geplant. Wie wollt ihr die Friseure, die 2019 hier dabei sein sollen bzw. wollen, zum Open Hair Congress locken? 

CH: Ich glaube, wenn man gesehen hat, was diese Woche hier passiert ist, braucht man nicht mehr viel Werbung. Denn das ist es, was Friseure sehen wollen. Die Menschen, die Gäste die hier sind, sind die Multiplikatoren. Es wurde bereits so viel über dieses spannende Event gepostet. Der Friseur befreit sich nämlich mit diesem Event vom Druck der Industrie und setzt wieder auf Fachlichkeit und Natürlichkeit. Und nicht nur das, es ist auch die Freundschaft, die Kollegialität. Wir, ich meine damit Birgit Turek, Dimitri Dimitrakoudis und ich sind ja völlig unterschiedliche Typen, aber wir harmonieren super auf der Bühne.       

BT: Wichtig ist, dass wir mit den Kollegen, die Spaß daran haben, sich auszutauschen, eine Gemeinschaft bilden wollen. 

 

Aber solch ein Event muss sich ja auch rechnen! Wie sieht das Zukunftskonzept für 2019 aus? 

CH: Es geht um Friseuriges aus dem Salon, nicht um die übliche Bühnenshow. Genau so habe ich die Akteure für dieses Event gebrieft. Dinge, die der Friseur von hier direkt in seinen Salon mitnehmen kann. Die derzeitige Problematik ist, dass der Friseur einfach müde ist, auf Weiterbildung zu gehen. Mittlerweile glaubt er nicht mehr an die Effizienz von Seminaren. Er erwartet trauriger Weise gar nicht mehr, dass er aus Seminaren etwas mitnimmt. Bei uns hier in der OAI ist das anders. Das was wir zeigen, ist direkt umsetzbar: Schnelle, effiziente Techniken, tragbare Looks, die man am ersten Tag im Look & Learn-Format sieht, sehen wir als Hilfestellung und Wissensweitergabe. Dabei ist uns diese Friseursprache wichtig, keine „Industriesprache“ oder vorgearbeitete Konzepte nachspielen, sondern Authentizität. 

BT: Wir haben zudem viele kleine Dinge in der nächsten Zeit vor, um auf uns aufmerksam zu machen.  Es bleibt nicht bei einem einzigen Event im Jahr. 

 

Wie seid Ihr zur Open Hair Academy gekommen? Hat man Euch entdeckt, gefragt?

BT: Ich kam durch Claus hierher und unterstütze die OAI als Head of Education Methodologist.

CH: Und ich durch Vladimir. Er hat mich via Social Media kontaktiert und das, was er mir in einer Stunde Gespräch erzählt hat, hat mich sofort überzeugt. Ich habe mich dann mit Vladimir und Dmitry Vinokurov Anfang Juni in Paris getroffen um das Konzept zu besprechen - und dann steht dieses Event hier! Sensationell. 

BT: Und Claus hat mich im September angesprochen und gebeten, dazu zu kommen. Ich komme ja aus dem Education-Bereich, habe das 29 Jahre lang gemacht. Was mich so fasziniert hat, ist die Möglichkeit, Menschen individuell zu begleiten. In meinem Beruf waren immer mehr Standards gefragt, man wurde mehr und mehr eingeengt. 

CH: Wichtig ist es, die Friseure wieder qualitativ stark zu machen. Viele Friseure haben heute gar kein gutes Gefühl, in unserem Beruf tätig zu sein. Der Stolz fehlt. Wir wollen dieses stolze Gefühl wieder wecken. 

 

Kann dieses Format hier auch eine Plattform für Friseure sein, die zum Beispiel gern Markenbotschafter wären? 

CH: Natürlich. Wenn jemand das Ziel hat, Markenbotschafter zu werden, kann er bei uns das Know-how erlernen und z.B. auch lernen wie er seine eigenen Shootings macht. Man kann sich austauschen - über alles - und das ist das Tolle. Die Friseure stehen auf der Bühne und sind keine Stars. Sie kommen runter von der Bühne und sind wieder in der Masse bei den Kollegen der anderen Friseure. 

 

Genau das ist dann die Bedeutung von "& Friends" in Vinokurov & Friends?

CH: Ja, es sind FREUNDE. Ich habe mich so gefreut, dass Frank Brormann (the calligraphy cut) kam, dass Cyrill Brune dabei war. Wir kennen uns doch alle. Das ist toll. Da gibt es kein Konkurrenzdenken. Das ist falsch. Man gibt Seins mit in die Akademie und somit kann das groß werden. Wenn sich jemand Junges entscheidet, diesen Weg zu gehen, dann sucht er sich aus, was er werden will - Promifriseur, was auch immer. Wir können diese Ausbildung mit ihm gehen. Wir unterstützen ihn auf seinem Weg dorthin. 

VU: Wir kommen eben auch aus diesem Silodenken heraus. Damit meine ich, jeder hat seine eigenen Marken, jedoch kann jeder hier unabhängig von einer Marke arbeiten. Man kann hier alle Friseure erleben und muss nicht zwingend auf eine Veranstaltung der Marke xy gehen, um einen bestimmten Hairstylisten zu sehen. Das ist unser Ziel.       

 

Ist dieses Event hier der Kulminationspunkt nachdem man die Open Academy International besucht hat?

CH: Richtig. Wird beispielsweise jemand in der Akademie ausgebildet und ist im ersten Jahr, dann hat er hier bereits eine Plattform, auf der er sichtbar wird. Von dem Standort meines Salons würde man mich beispielsweise nie kennen lernen. Ich habe meinen Weg durch Social Media gefunden und wäre heute nicht an diesem Tisch mit Euch, wenn Social Media nicht da wäre. 

BT: Uns ist es wichtig, Friseurkollegen darin zu unterstützen, ihr Talent zu entdecken.

VU: Wir haben gerade wieder neue „Friends“ mit ins Boot genommen und wissen, dass mit ihnen dieses oder jenes Know-how ins Boot reinkommt. Da sind wir sehr gut vernetzt. 

BT: Ich glaube sehr an dieses Konzept. 

Aber ist das nicht etwas idealistisch, alle Friseure als Freunde anzusehen? Da gibt es doch schon die einen oder anderen, die nicht gern teilen. 

CH: Die wollen wir auch nicht haben. Davon wollen wir uns mit diesem Format hier ganz entschieden abheben. Wie schon gesagt: Hier zählt das „& Friends“.  

  • Birgit Turek



  • Claus Hochreuter



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