8 August 2022

Interview mit Damien Ojetti

Der Präsident von Coiffure Suisse, Damien Ojetti, erzählt Estetica fast ein Jahr nach seinem Amtsantritt, was die Herausforderungen des größten Berufsverbandes der Schweiz sind. Interview: Carla De Meo

Was bedeutet Coiffure Suisse für die Schweizer Coiffeure?

Ein Bezugspunkt. In der Schweiz gibt es einige Verbände, die sich jedoch meist auf den künstlerischen Aspekt des Berufs konzentrieren. Coiffure Suisse ist ein Dienstleistungsverband für die Arbeitgeber, zählt mehr als 3.400 Mitglieder und existiert seit 125 Jahren.

Wie ist der Schweizer Markt?

Die Schweiz ist ein reiches Land. Bestätigt wird das auch durch die Tatsache, dass im Vergleich Schließungen/Öffnungen jedes Jahr etwa 1.000 neue Salons dazukommen – Eine sehr hohe Zahl.Wahrscheinlich, weil in der Schweiz keine Lizenzen, Genehmigungen gebraucht werden: jeder kann einen Salon eröffnen und den Beruf ausüben. 

Coiffure Suisse bietet Managementseminare und Dienstleistungen: Wie passt da die zweijährliche Veranstaltung Hair Days in Zürich rein? Neuigkeiten für die Ausgabe 2017?

Hair Days wurde von meinem Vorgänger ins Leben gerufen und es war eine großartige Idee. In Partnerschaft mit führenden Marken der Branche bot die Show mit Stylisten aus dem Ausland, Trends und Neuigkeiten für unsere Friseure an. Durch den großen Erfolg fanden die letzten drei Editionen im Hallenstadion statt, mit ca. 4.500 Menschen. Zur gleichen Zeit haben sich die Bedürfnisse und Erwartungen der Friseure geändert und sind gewachsen. Deshalb arbeiten wir an einem neuen Konzept, um besser zu diversifizieren. Ab 2017 wird Hair Days zum “Tag des Friseurs”. Neben der Show wird es Raum für Look&Learn Workshops, Seminare und Shopping geben. Die Veranstaltung ist für Mai 2017 geplant.

2016 habt ihr Swiss Hair Talent veranstaltet…

Ein Wettbewerb für die unter 25-jährigen, welcher am 1.Mai stattfand und das Best Young Talent kürte. Dieses Jahr haben wir das Format getestet, 2017 wird Hair Days noch mehr bieten.

Worum handelt es sich beim Wettbewerb?

Hier wird das beste junge Talent des Jahres gewählt. Das Finale fand auf der Bühne statt und der Backstage-Bereich war für alle sichtbar. Die Jury bewertete die Arbeit hinter den Kulissen und auf der Bühne. 15 junge Talente waren im Finale. Für die Bewerbung wollten wir keine Haarmode-Bilder sehen, sondern ein Zwei-Minuten-Video mit Monolog. 

Reden wir über Sie. Schon vor der Präsidentschaft waren Sie aktiv im Verband…

Für mich es war es schon immer natürlich und logisch, teil des einzigen Verbandes zu sein, der unser Handwerk repräsentiert und schützt…Ich war für drei Amtszeiten, neun Jahre, bei der Haute Coiffure Française: Die Schweizer Sektion zählt 80 dreisprachige Salons, mit hohem Standard. Dank dieser kam die Schweiz in Paris auf die Bühne. Dann habe ich das Amt des kantonal Präsidenten für drei Jahre übernommen.

Wofür steht Coiffure Suisse?

In der Schweiz gibt es mehr als 12.000 Salons. Für mich sollte jeder Teil des Verbandes sein. Mehr als ein ehrgeiziges Bestreben wohl eher ein Traum. Denn früher oder später brauchen wir alle einen Verband. Ich denke, dass Solidarität auch in unserem Geschäft wichtig ist. Coiffure Suisse vertritt das Handwerk, vermittelt Wissen, organisiert Dienstleistungen. Zu viele beklagen sich, ich lade sie ein, sich zu beteiligen. Für das Beste der Branche. 

Ist der Unternehmensstil bei Coiffure Suisse eher horizontal oder vertikal?

Mein Stil ist eher das kollegiale Arbeiten. Ich liebe es, gemeinsam in Teams und mit den Fachleuten aus verschiedenen Bereichen neue Konzepte zu erarbeiten und Lösungen für Probleme zu finden. Wir schalten zum Beispiel demnächst die neue Website, auf der wir auch einen Shop integriert haben: ein Mitglied sollte das, was er braucht, zu günstigen Preisen kaufen können. Wir können das dank der mehr als 3.000 Mitglieder tun. Eine weitere Möglichkeit neue Services zu gewährleisten. 

Mit Ihrer Präsidentschaft erneuert sich auch Partnerschaft mit Estetica. „Informiert sein und informieren” Wieviel ist das heute Wert?

Wir erneuern die Zusammenarbeit mit Estetica, da wir uns nicht lokal beschränken wollen. Wir wollen Dialog schaffen und uns mehr öffnen. Unsere Zeitschrift – Journal Coiffure Suisse – soll mit unseren Mitgliedern kommunizieren. Es bleibt jedoch national begrenzt. Mit Estetica können wir stattdessen Grenzen überwinden und uns für den Rest der Welt öffnen.

Was ist die größte Herausforderung für einen Friseur heutzutage?

Ein junger Mensch wählt diesen Beruf, weil er kreativ sein möchte. Echte Mängel sind heute vor allem die geschäftlichen Aspekte. Eine wirkliche Herausforderung für die Friseure und auch das Ziel des Verbands.

Wie hat das Internet das Kundenverhalten bei der Einholung von Informationen verändert?

Vor der Verbreitung des Internets, musste eine Frau für einen Lookwechsel zu einem Profi gehen, mühsam Bilder heraussuchen und auf die Beratung vom Friseur warten. Heute findet Frau tausende von Bildern im Internet…der Friseur berät immer noch, aber von einem anderen Ausgangspunkt: Die Frau hat ihren Look bereits vor Betreten des Salons entschieden. Der Friseur soll nur noch zustimmen. Ein etwas konsum-orientierter Service, worunter auch das Vertrauen zum Friseur leidet. 

Sie besuchten die Cosmoprof Bologna 2016 und auch die Story-Gallery von Estetica 70 years: Welche Bilder haben Sie beeindruckt?

War das toll! Ikonische Nostalgie, zeitlose Meilensteine…die Story-Gallery von Estetica erlaubt vor allem jungen Friseuren, die aus Interpretationen, Gefühlen und Werten hervorgegangenen, Fortschritte des Handwerks zu verstehen und sich mit ihnen zu identifizieren. Das ist schön und nützlich

Eine letzte Frage: Was ist Schönheit für Sie?

Auf diese Frage habe ich bis heute keine Antwort gefunden…Eines ist jedoch sicher, ein jeder sollte sich wohlfühlen.

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