4 July 2022

Ausgefragt: Salvador Chanzá alias Lord Jack Knife

Salvador Chanzá ist fachlicher Leiter der 1o1Barbers Academy, die ab 2017 in Deutschland Seminare anbietet

 

1. Du bist als Barbier sehr viel international unterwegs. Wie unterschiedlich empfindest du die jeweilige Barberszene? 

Ja das stimmt, ursprünglich komme ich aus Valencia/Spanien und lebe jetzt in Oslo/Norwegen, wo ich drei Barbershops und die LJK International Barberschool innehabe. Ich habe in vielen Ländern unterrichtet, nicht nur Europa, auch in den USA und Mexiko bin ich viel herumgekommen. Nun bin ich als Jury-Mitglied bei den German Barber Awards und mit der 1o1Barbers Academy auch in Deutschland angekommen. Natürlich gibt es Unterschiede in der Arbeitsweise, aber gerade das macht es ja so interessant. Die Menschen und die verschiedenen Kulturen haben Einfluss auf unsere Arbeit. Sowohl in handwerklicher Hinsicht, als auch bei den Kunden selbst, als da wären unterschiedliche Haartexturen und Hautbeschaffenheit. Daraus entspringt auch für die Kooperation mit der 1o1Barbers Academy ein einzigartiges Portfolio an internationaler Barbierkunst. Zusammenfassend kann ich sagen, dass man in Europa eher auf klassisches Männerhaarstyling trifft und dass für den Salonkunden das Besuchserlebnis mit Blick auf Einrichtung, Atmosphäre usw. eine größere Rolle spielt, als in anderen Breitengraden. 

 

2. Kannst du dich noch an deinen ersten Haarschnitt erinnern, den du gemacht hast?

Mein erster Haarschnitt beeinflusste meine Berufskarriere als Barbier maßgeblich. Als Jugendlicher dachte ich darüber nach Landschaftsarchitekt oder Koch zu werden, aber in meiner Heimat Spanien war es zu dieser Zeit nicht so einfach, einen solchen Ausbildungsplatz zu bekommen und es war auch sehr teuer. Ich hatte immer einen guten Draht zu meinem Barbier und eines Tages fragte er mich „Wieso wirst du nicht Barbier?“. Ich fand die Idee gut und meldete mich bei einer Friseurschule an, aber es sah erstmal nicht gut aus für mich. Die Schule war schon ausgebucht, es gab keine Kurse die speziell für Männerhaarschnitte ausgelegt waren und so musste ich erstmal in einen Frauenkurs und ehrlich gesagt, habe ich das überhaupt nicht gemocht. Mein erster Herrenhaarschnitt war dann bei einem älteren Mann. Mir fehlte dafür die fachliche Theorie, denn es ist ja nicht das Gleiche wie bei einem Frauenhaarschnitt. Also legte ich los und hatte Glück, denn der Kunde war sehr locker und verständnisvoll. Ich erinnere mich noch gut daran, denn ich wollte das unbedingt gut hinbekommen und es war doch eine neue Herausforderung. Am Ende sah es gut aus, der Kunde war glücklich. Das war der Ursprung, denn ab diesem speziellen Moment wußte ich, dass ich Barbier werden möchte. 

 

3. Was würdest du einem Barbier oder einer Barbierin, der/die noch am Anfang seiner Karriere steht, mit auf den Weg geben?

Demut. Starallüren und sich als „cooler Typ“ aufzuspielen, bringt überhaupt nichts. Ich würde ihm oder ihr raten, vor allem Respekt vor der Tradition des Handwerks zu haben, denn ich sah bereits einige Schüler, die dachten sie seien rockiger, cooler und besser als traditionelle Barbiere. Unser Handwerk hat eine Geschichte und ja – viele Barbiere wirken vielleicht sehr oldschool, aber es geht in unserem Job nicht vordergründig darum besonders hipp zu sein. Es geht um Qualität, Fachwissen und handwerkliche Fertigkeiten.

 

4. Was war dein außergewöhnlichster Kunde?

Diskretion macht einen guten Barbier aus, daher sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich keine Namen nenne. Ich bin in meinem Beruf schon vielen spannenden Menschen begegnet. Klar, bei uns Barbieren wird es nie langweilig und es passieren oft lustige und auch verrückte Dinge. Zum Beispiel hat mich während meiner Zeit in Ibiza ein bekannter amerikanischer DJ und Musikproduzent angerufen, ich solle zu ihm kommen, um ihm die Haare zu schneiden. Als ich dann bei ihm ankam, trat ich in seine eindrucksvolle Villa ein. Ich hatte damals noch nicht genügend Erfahrung mit Afro Haar und war entsprechend nervös. Er wollte erst noch in den Pool und fragte mich, ob es möglich wäre, dass ich ihm am Poolrand die Haare schneide. Auch heute in meinen Barbershops in Oslo, kommen viele unterschiedliche und interessante Leute vorbei. Es ist sehr abwechslungsreich. Manchmal kommen auch Frauen und fragen, ob sie sich einfach nur im Barbershop umschauen dürfen, weil sie die Szenerie so faszinierend finden.

 

5. Was macht ein guter Barbier anders als ein klassischer Herrenfriseur?

Ein Barbier hat ein ganz anderes Portfolio, z.B. die gesamte Grooming-Erfahrung. Ein Barbier ist spezialisiert auf ultra-präzise Haarschnitte und Experte für Bart- und Männerhautpflege. Er passt jeden Haarschnitt individuell auf seinen Träger an, verleiht ihm ein gepflegtes Äußeres und Eleganz. Es geht nicht um Trends.

 

6. Kannst du uns kurz etwas zum neuen Seminarkonzept sagen, das du jetzt in Deutschland zusammen mit den 1o1BARBERS anbietest?

Unsere Philosophie ist es, Barbieren und Friseuren exzellente fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten für die Arbeit im Barbershop zu vermitteln. Das betrifft alle Bereiche vom klassischen Herrenhaarschnitt, über Rasuren und Hautpflege. Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei das Thema Struktur. Das betrifft korrekte Arbeitsabläufe, Ordnung, Sauberkeit, Hygiene, Auftreten, Performance und Verhalten. Ich persönlich sage oft „Ich bin nicht besser als andere Barbiere oder Friseure – ich möchte ihnen helfen besser zu werden“. Das Seminarangebot richtet sich an Anfänger und Fortgeschrittene und umfasst unterschiedliche Inhalte, je nach Bedarf und Wissensstand. Bei den Seminaren selbst erfahren die Teilnehmer intensives Training mit strukturierten Praxis- und Theorie-Einheiten, denn wir legen Wert darauf, dass wir die Absolventen wirklich gut auf ihre Tätigkeiten im Barbershop vorbereiten und diese eine Wertschöpfung für sich mitnehmen. 

 

7. Welchen Vorteil ziehen Barbiere und Friseure aus den Seminaren, die sie bei euch bekommen?

Es geht uns nicht darum, die Schüler mit Informationen und Tipps zu überfluten, sondern um gebündeltes, relevantes und echtes Fachwissen – und natürlich darum ihnen die bestmögliche handwerkliche Qualität zu vermitteln. Das ist der Kern unserer Arbeit. Ich habe die Inhalte und das gesamte Konzept zusammen mit den 1o1Barbers entwickelt und all das internationale Know-how von mir und der LJK-International School fließt hier ein. Die Seminarteilnehmer erfahren sozusagen gebündelt das optimale Ausbildungs-Know-how. Die Qualität der Seminare zeigt sich auch in der Interaktion. Oft sind die Teilnehmer überrascht, wenn ich bzw. die Fachtrainer der 1o1Barbers am Ende des Kurses jeden Einzelnen im Gespräch nochmals reflektieren und ihnen mitgeben wo ihre fachlichen Stärken liegen oder woran sie künftig noch arbeiten müssen. 

Zudem bekommt jeder Schüler abschließend ein Handout, auf dem alles was am Seminartag gelernt wurde, detailliert zusammengefasst ist.

 

8. Woran kann ein Kunde im Salon erkennen, ob er sich in einem guten oder schlechten Barbershop befindet?

Ich glaube am Ende zählt für den Kunden das Ergebnis. Während der Behandlung kann der Kunde schon empfinden, ob der Barbier etwas von seinem Handwerk versteht und wie er auftritt, aber die coolste Performance nützt nichts, wenn die Rasur nicht gelungen ist oder der Haarschnitt unsauber gearbeitet wurde.

 

 

Weitere Informationen unter 1o1barbers.com

 

Fotos: 1o1Barbers / B. Walther Fotografie

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