17 June 2024

Exklusivinterview mit Cristian Canthal

Im Interview mit Cristian Canthal sprachen wir über Farbe, Weiterbildung & darüber, was die Branche bewegt.

“Wir brauchen in dieser tollen Branche wieder ein positives Narrativ”, ist ein guter Einstieg in dieses spannende und direkte Interview mit dem General Manager der Kao Salon für die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz sowie Tschechien. Ganz zu Anfang verriet er – passend zur Colour Ausgabe, in der dieses Interview komprimiert erschien, seine Lieblingsfarbe: Karibik Blau…

Cristian Canthal ist seit 2022 General Manager der Kao Salon DACH und CZ.

Was sind eure Bestseller in Sachen Farbe?

Cristian Canthal: Unsere Goldwell Farb-Besteller sind Topchic und Elumen. Elumen ist unsere einzigartige permanente Haarfarbe ohne Ammoniak, die das Haar nicht schädigt und während des Färbeprozesses sogar repariert. Sie verleiht mehr Glanz und bis zu 20 % Haltbarkeit im Vergleich zu anderen oxidativen Haarfarben. Wir wissen, dass die Angst vor Haarschädigung beim Haarefärben großen Einfluss auf die Kaufentscheidung von Salonkunden hat. Eine sehr schonende, permanente Haarfarbe wie Elumen ist definitiv ein Kundenmagnet. Salons haben mit Elumen ein wirklich einzigartiges Produkt, für das Salonkunden bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen.

Topchic ist bereits seit 50 Jahren erfolgreich im Markt. Das Topchic Dosensystem ist für Salons besonders wirtschaftlich. Im Vergleich zur Tube sind die Topchchic Dosen um bis zu 25 % günstiger. Außerdem lässt sich die Farbmasse mit der Nozzle, einem besonderen Aufsatz, sehr genau dosieren. Rein optisch ist ein Topchic Farbregal ein toller Hingucker im Salon.

Gen Sommer wollen viele Salonkunden blonder werden. Wo siehst du da noch Potential bei den Friseuren?

Cristian Canthal: Es ist kein Geheimnis, dass Blond die Königsdisziplin ist. Gerade im Bereich Haarfarben und -techniken hat sich in den letzten Jahren viel getan. Kunden wünschen sich filigranere, komplexere Blondergebnisse mit vielschichtigen Nuancen, die maximal natürlich aussehen. Für die Salons liegt im Bereich Veredelung und Verfeinerung großes Potential. D.h. Farbservices, die eine Blondfärbung aufwerten.

Bei Elumen denken viele Friseure in erster Linie an knallig bunt. Tatsache ist aber, dass 3/4 des Elumen Portfolios dem Wunsch nach natürlichen Nuancen nachkommt. Elumen ist unsere Premiumhaarfarbe, mit der Coloristen jedem Kundenwunsch nachkommen können, egal ob das Färben, Abdecken oder Veredeln ist. Wir haben dezidierte Elumen Blond Services genauso wie schnelle Glossings oder Tonings. Egal, wie ein Salon mit Elumen arbeitet. Mit diesen Premiumprodukten können Salons im Farbbereich höhere Umsätze generieren.

Blondtrends greift das Kao Salon Education Team diesen Sommer u.a. mit den Seminaren Skandinavisches Blond und Mein Sommerblond auf. Da geht es immer auch um das Arbeiten mit dem gesamten Goldwell Portfolio – von LightDimensions über Topchic und Elumen bis hin zu Colorance sowie Colorance Gloss Tones.

Wie wichtig sind neue Farbtrends im Education Bereich?

Cristian Canthal: Durch Instagram & Co. hat sich das Tempo für die Verbreitung und Weiterentwicklung von Trends im Bereich Haarfarbe drastisch erhöht. Farbservices sind in kurzer Zeit damit wesentlich komplexer und schnelllebiger geworden. Natürlich bieten wir trendorientierte Trainings an. Aber grundsätzlich haben alle unsere Seminare und Trainings ein gemeinsames Ziel: Salons und Mitarbeitende, die ein (Farb)-Seminar besucht haben, sollen dieses Wissen nachher im Salon direkt umsetzen können und darüber spürbar mehr Umsatz sowie Gewinn erzielen. Wir haben unser Seminarangebot daraufhin ausgerichtet. Das bedeutet, das Education Team setzt neben Techniken auch bei einer verbesserten Beratungskompetenz an, die am Ende dazu führt, dass ein Salon den Bon pro Kunde erhöhen kann. In Zeiten von Mitarbeitermangel macht es Sinn, sich als Salon anzuschauen, wie man auch Azubis und Branchen Youngster schnell über arbeitsteiliges Arbeiten ins „Tun“ bekommt, um bestimmte Leistungen gewinnbringend abzurechnen.

Die Frequenz der Salonbesuche sinkt, die Kunden geben weniger Geld aus. Wie unterstützt Kao die Salons?

Cristian Canthal: Grundsätzlich ist die Frequenz etwas zurückgegangen. So aber auch die Anzahl der Mitarbeitenden. Die wenigsten Salons haben aktuell ein Auslastungsproblem. Das Thema ist eher, dass Salons noch fokussierter daran arbeiten können, wie sie bei steigenden bzw. hohen Kosten, einen höheren Bon pro Kunde erzielen und die Effizienz steigern. Das können im Farbbereich so genannte Upgrade Services sein, wie ein Elumen Glossing am Waschbecken, das in einen Aufhellungs- oder Strähnenservice zeitlich in den Farbservice integriert wird. Jeder Elumen Farbservice liefert Kunden ein großartiges Endergebnis und schenkt ein gesundes Haargefühl. Diese Art von Premiumdienstleistungen können ein Weg sein, höhere Preise für einen Farbservice durchzusetzen.

Auf welche Neuheiten können wir uns 2024 freuen?

Cristian Canthal: Der Launchkalender der Kao Salon Division Marken mit Goldwell, KERASILK, KMS, VARIS und Oribe ist prall gefüllt. StyleSign von Goldwell haben wir gerade sehr erfolgreich auf den Markt gebracht. Bei Goldwell haben wir im Mai neue Colorance Nuancen und Colorance Gloss Tones sowie eine Innovation im Bereich Dauerwelle lanciert. Das Oribe Gold Lust Heat Protection Spray ist ein revolutionäres Trockenspray und absoluter Multitasker. Es wurde speziell entwickelt, um trockenem Haar zusätzlichen Hitzeschutz zu bieten.

Salons, die sich für mehr Nachhaltigkeit engagieren, können ab Juni CO2 -kompensierter Salon werden. Das Konzept sieht eine gemeinsame Ermittlung der Salonemissionen vor, daran anknüpfend eine Analyse der Maßnahmen, um den CO2-Ausstoß zu verringern und einem letzten Schritt die Kompensation von nichtvermeidbaren Emissionen in Zusammenarbeit mit unserem Partner ClimatePartner.

Wo siehst du aktuell die größte „Baustelle“ in der Friseurbranche?

Cristian Canthal: Endverbraucher sind grundsätzlich bereit, mehr Geld für Schönheitsveränderungen auszugeben. Aber sie handeln auch rational. Solange es am Markt genug günstigere Angebote gibt, gibt es keinen Grund, warum jemand für die gleiche Leistung mehr Geld bezahlen sollte. Von 80.000 Salonunternehmen am Markt sind 30.000 steuerbefreit. Das schafft eine Ungleichheit und einen Kostenvorteil von 20%. Dazu kommt eine steigende Zahl für Schwarzarbeit. Das macht es den redlichen Salonunternehmern schwer, ihre Preise zu erhöhen.

Die Konsequenz ist, dass sie dadurch nicht in der Lage sind, ihren Mitarbeitenden faire Löhne zu bezahlen. Sehr viele können nur den Mindestlohn zahlen. Das macht den Beruf für viele Berufseinsteiger unattraktiv. Wir hatten im letzten Jahr 20% weniger Azubis in der Branche. Die Zahl der Mitarbeitenden pro Salon liegt in Deutschland im Durchschnitt bei 1,5. Viele Salons entscheiden sich dafür, sich zu verkleinern oder allein zu arbeiten. Da wird zwangsläufig kein Nachwuchs mehr ausgebildet. D.h. wir sollten gemeinsam alles dafür tun, dass sich die Ausbildung wieder für die Betriebe lohnt. Diejenigen, die ausbilden, brauchen mehr Unterstützung. Außerdem muss der Beruf wieder attraktiver für Menschen mit höheren Schulabschlüssen gemacht werden.

Wir brauchen in dieser tollen Branche wieder ein positives Narrativ. Sie hat alles, um sich aus eigener Kraft zu verändern. Wir müssen uns manchmal mehr zutrauen und das in den Vordergrund stellen, was den Beruf einzigartig macht. Als Friseur:in kannst du alles sein: Unternehmer:in, Artist:in, Handwerker:in oder Trainer:in. Es gibt Gott sei Dank sehr viele beeindruckende Friseurkarrieren und Unternehmer Persönlichkeiten.

Lass uns zum Schluss in die Zukunft blicken: Wie sieht die Branche deiner Meinung nach in 5 Jahren aus?

Cristian Canthal: Für die Zukunft ist es für Salons wichtiger denn je, Qualität und Kompetenz auszubauen und parallel zu schauen, wie die Beratungskompetenz sowie Effizienz gesteigert werden kann. Mindestens genauso wichtig ist eine klare Positionierung für den Salons. Nur Salons, die das in Anlehnung an die Bedürfnisse ihrer Kunden schaffen, werden auch in Zukunft erfolgreich sein. Ich sehe große Chancen in der Digitalisierung – KI, Newsletter, automatisierte Buchungssysteme, Newsletter etc. All das ermöglicht es den Mitarbeitenden, mehr Zeit direkt bei den Kunden in der Beratung zu verbringen. Allgemein sich ich sehe in der besseren Nutzung von Kundendaten für unsere Branche ein extrem hohes Potenzial.

Und natürlich glaube ich an die Kraft der Veränderung und an die vielen großartigen Köpfe, die mit jeder Menge Unternehmertum bereit sind, Veränderungen anzugehen.

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