23 July 2024

Estetica im Gespräch mit Colin Caruso

Im Rahmen des Paul Mitchell Cut & Color hands-on Workshops haben wir Colin Caruso ein paar Fragen rund um den erfolgreichen Salon und natürlich zum Thema Haarfarben gestellt:

Colin Caruso hat bereits als Zwölfjähriger angefangen, mit Haarfarbe zu experimentieren. Schon damals wurde ihm bewusst, dass Haarfarbe ein Spiegel der Persönlichkeit sein und Gleichgesinnte zusammenbringen kann. So färbte er bereits als cooles Skater-Kid in New Jersey seinen Freunden im heimischen Keller die Haare. Heute ist Colin Artistic Director of Professional Hair Color für eines der weltweit größten Haarkosmetikunternehmen.

Seit mehr als zehn Jahren ist Colin Teil der internationalen Paul Mitchell Familie, zunächst als Bühnenakteur und Educator, heute als „Herr der Farben“. Mit Angus Mitchell, dem Sohn des Firmengründers, erschuf er mit innovativen Ideen revolutionäre Kollektionen. Wie für viele Kinder der 90er war Graffiti ein großes Thema in seiner Jugend – als Friseur interpretierte er die Sprühkunst neu: Er füllte Farbpigmente in Haarspray-Dosen und trug Farbe völlig neuartig auf. Weggefährten von Colin beschreiben ihn als Extremtalent in pucto Verständnis und Umgang mit Farbe. Dieses Wissen überträgt er in seiner Funktion bei Paul Mitchell auf das Salonbusiness. Für den Friseur setzt Colin den Kernfokus auf gute Beratung. „Ohne Wissen, keine Beratung und ohne Beratung, keine Kunden“, nach diesem Motto lebt und arbeitet Colin.

Auch als Artistic Director of Professional Hair Color steckt er noch viel Zeit und Energie in Schulungskonzepte, produziert Education-Videos für Salons und rät den Friseuren immer wieder, sich bei jedem Farbkunden folgende Fragen zu stellen: Was kann das Produkt? Welche Möglichkeiten gibt mir das Haar des Kunden vor? Wie kombiniere ich das Produkt und die Technik am besten mit dem Wunsch des Kunden?

Neben diesen Aufgaben, die ihn oft quer über den Globus reisen lassen, bleibt er seiner Heimat New Jersey treu und hat mit dem Salon CARU sein eigenes Business aufgebaut – denn er ist und bleibt ein Vollblut-Friseur.

Farbe, Schnitt und Styling – der perfekte Look hat viele Gesichter…

Im Rahmen des Paul Mitchell Cut & Color hands-on Workshops im April diesen Jahres haben wir die Gunst der Stunde genutzt und Colin Caruso ein paar Fragen rund um den erfolgreichen Salon und natürlich zum Thema Haarfarben gestellt:

Colin, deine Lieblingsnuance für den Sommer ist? Und sag bitte nicht einfach “Blond”…

Fotos: Markus Schmidt

Genau das hatte ich vor (lacht). Aber wenn ich eine Blondine vor mir auf dem Stuhl habe und sie möchte ein kleines Upgrade, dann habe ich zwei Favoriten. Nummer 1 sind Lowlights. Und meine ungebrochene Regel für Lowlights lautet: Immer heller als das Naturhaar gehen, also ein oder zwei Stufen heller. Ich denke, dass Lowlights oft unterschätzt werden. Denn je öfter man das Haar aufhellt, desto mehr fehlt die Tiefe. ich würde die Lowlights immer mit einer Demi-Haarfarbe machen. Denn man will ja keine permanenten Lowlights. Nummer 2 und da kommen wir zu den Fashion Colors: Wir sehen gerade Babypink (helles Rosa) zurück kommen. Man kann, je nachdem wie intensiv man das Ergebnis wünscht, eine Demihaarfarbe benutzen, wie Colorways oder einen Toner in der Nuance Erdbeerblond. Der Hautton spielt da eine wichtige Rolle.

Gibt es eine besondere Technik, die von dir kommt?

Ich bin ein Blondprofi. Und bei der Farbtechnik ist es wie beim Schnitt. Man hat eine Basistechnik und kombiniert diese mit seinen eigenen Ideen, zum Beispiel mit einem Soft-Weaving im Bereich der Hairline. Das ist nichts Riesengroßes, sondern einfach nur schauen, wie das Haar aussieht und wo man die hellste Farbe platziert. Ich liebe auch noch immer Balayage. Ich weiß, manche sagen, dass Balayage ihre Zeit gehabt hat. Aber ich denke, dass Balayage nie aus der Mode kommt.

Was sagst du dann zur Mono-Color?

Ich denke immer, man muss fast immer tun, was der Kunde wünscht. Wir hören immer dass wir Friseure Künstler sind. Ich bin der Meinung, dass das, was wir tun, künstlerisch ist. Aber ich denke nicht, dass wir die Freiheit eines Künstlers haben. Denn ein Künstler kauft sich eine Leinwand, malt auf ihr und die sagt nichts. Unsere “Leinwand” hat Erwartungen. Ich denke, wir sind zum Teil Künstler und zum Teil Maler. Wir müssen immer schauen, was der Gast sehen will. Wenn man sein Haus weiß mit schwarzen Fensterläden haben möchte, mache ich das. Aber ich sage vielleicht, ‘Wie wär’s mit einer roten Tür?’ Das würde den Fokus auf den Eingang lenken. Ich muss meinem Kunden das geben, was er wünscht, aber ich kann kleine Vorschläge machen, immer darauf achtend, dass es für den Kunden passt. Zurück zur Frage: Ja, solange der Kunde das Geld hat, regelmäßig fürs Ansatzfärben wiederzukommen, klar.

Welche Frage ist für dich die wichtigste bei der Beratung?

Ich muss wirklich vorab wissen, was der Kunde wünscht. Dabei geht es nicht nur darum, was der Gast sagt, sondern auch was er ‘sieht’. Wir alle sehen Farben unterschiedlich. Ich will sehen, was für den Kunde Gold ist, ich will sehen, was der Kunde meint, wenn er sagt: ‘Ich will keine warme Haarfarbe`. Ich muss mich danach richten, wie der Kunde Farben sieht. Denn dann habe ich mehr Chancen, ihn glücklich zu machen.

Also arbeitest du gern mit Bildern, die dir die Kunden zeigen?

Ja natürlich. Denn wenn ich sehe, wovon du sprichst, kann ich das machen, was du gern hättest. Textur unterstützt Technik. Manchmal wollen Kunden Techniken, die bei ihrer Textur nicht funktionieren. Beispiel: Wenn man sehr feine Haare hat und eine Balayage möchte, ist es einfach so, dass die Kundin nicht genug Haar hat, um eine Textur zu kreieren. Wenn das Bild, was die Kundin mitgebracht hat, viel mehr Haar erfordert, dann sage ich, dass man das realisieren kann, aber sie braucht Extensions. Wichtig ist, dass die Kundin von mir erfährt, dass das auf dem Bild ein anderer Haartyp ist.

Geht es auch euch so, dass die Kunden weniger oft zum Friseur kommen?

Ja. Als ich anfing zu arbeiten, brauchten wir weit weniger Kunden, um den Salon am Laufen zu halten. Die Kunden sind alle 4 Wochen gekommen. Viele meiner Stammkundinnen färben ihre Haare zwischen zwei Terminen zuhause. Viele denken, dass die Kunden kein Geld haben, um regelmäßig zum Friseur zu gehen. Bei uns ist es so, dass sie nicht die Zeit haben. Sie kommen nur 2 x im Jahr für eine Balayage oder für Strähnen. Und ihren Ansatz machen sie daheim. Hier helfen Produkte wie The Color 10. So brauchen sie weniger Zeit im Salon, manchmal föhnen sie ihre Haare sogar daheim. Sie wollen nur schnell ihren Ansatz gemacht haben. Also ja, man braucht heute viel mehr Kunden, um einen Salon gut besucht zu nennen. Wichtig ist, dass man nicht einfach so weiter macht wie früher. Der Salon braucht neue Services. Was wollen meine Kunden? Was brauchen sie? Wie verändern sie sich? Das Problem ist, dass wir Friseure unsere Arbeit bzw. unsere Services nicht ändern. So gewinnen wir keine neuen Kunden hinzu.

Wenn die Kunden ihre Haare daheim färben, habt Ihr sicherlich auch viele Farbkorrekturkunden, oder?

Ja, manchmal, klar. Und ich versuche ihnen aufzuzeigen, was die Alternativen sind, damit es gar nicht so weit kommt. Wie die 10 Minuten Haarfarben zum Beispiel. Es geht nur darum, dass man die richtigen Fragen stellt. Und dass man auch merkt, dass ein Kunde lange nicht da war. Wenn man viel zu tun hat, kümmert man sich oft nicht darum, wer schon lange nicht da war, sondern nur um die, die im Salon sind. Wir schauen jeden Monat auf unsere Kundendatei, schauen, wer schon mehr als 3 Monate nicht mehr da war und kontaktieren diese.

Wie sieht es mit Verkaufsprodukten aus?

Also ich sage meinen Kunden: ‘Wenn du bei mir kein Shampoo & Conditioner kaufst, dann gehen irgendwann meine Dienstleistungspreise hoch.’ Viele Kunden wissen oft nicht, wie wichtig es für den Salon ist, ihre Produkte dort zu kaufen. Wir ermutigen unsere Kunden, wieder mehr Produkte bei uns zu kaufen. Viele Kunden wollen Produkte kaufen, aber die Friseure sind nicht mehr so stark im Produktverkauf wie früher. Das ist meine Meinung. Die Literflaschen, die man online kauft, sind nicht immer die beste Idee. Denn man muss/möchte ja sein Shampoo auch mal wechseln. Zu viel Protein macht das Haar zum Beispiel hart, zu viel Feuchtigkeit macht es zu weich. Deshalb ist es wichtig, zu seinem Friseur zu gehen und sich dort die richtige Empfehlung zu holen. Und klar, es geht immer auch ums Geld. Übrigens: Viele Männer kaufen nur Shampoo, keinen Conditioner. Ich weiß nicht, warum.

Wie schaut es mit Zusatzdienstleistungen aus? Und gibt es die All-over Beauty Salons noch, wo man Haare, Nägel, Facials alles an einem Ort und mit nur einem Termin bekommt?

Ja, die gibt es und es wird sicher in Zukunft mehr geben. Einfach, weil man sich die Mietkosten teilen kann. An zwei Abenden pro Woche haben wir zum Beispiel einen Mann bei uns im Salon, der nur Augenbrauen macht. Wir machen das seit 4 Jahren und er ist toll. Die Kunden wissen das und buchen sich an den Tagen einen Friseurtermin, denn sie wissen, dass sie dann ihr Augenbrauenstyling und -farbe sowie Wimpern bekommen. Er arbeitet übrigens in verschiedenen Salons, nicht nur bei mir.

Viele Dank für dieses spannende Interview, Colin!


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